Sonntag, 24. Februar 2013

Eine Frage des Stils...

So mit 11 war es für mich noch relativ einfach... Vor allem auch in Sachen Stil! Angefangen bei der Klamottenwahl. Natürlich musste ich da meine großen Brüder nachmachen. Die waren cool, das wollte ich auch sein! Also musste ich wenigstens versuchen, mich so zu kleiden!
Auch musikalisch ließ ich mich von meinen Brüdern leiten. Während in der sechsten Klasse alle anderen noch ACDC und weiß der Teufel was hörten lief bei mir schon 50ct, Will Smith, etc.
Auch bei Filmen war das so! Meine Brüder fanden "Herr der Ringe" toll? Ich auch! Obwohl ich damals noch keine einzige Szene davon gesehen hatte!



So, und jetzt zum eigentlichen Thema meines Blogs: Wein.
Genau, wie oben beschrieben war es bei mir am Anfang meiner "Weinkarriere" auch (Oh Gott, wie selbstbewusst!). Wein war für mich (selbstverständlich) eine komplett neue Welt! Ich, unerfahren, als 16-Jähriger. Das Chaos war sozusagen vorprogrammiert. Ich probierte ab und an mal Wein, vor allem aber las ich viel. Sowohl in Büchern als auch im Internet. Und da kamen die ersten richtigen Probleme auf mich zu! Während das eine Buch Frankreich über alles lobte, so wurde Deutschland in der Quelle aus dem Internet angehimmelt. Das eine Buch stellte Chardonnay als Geschenk Gottes dar, das andere Buch tat ihn als proletarische "Einheitspisse" ab. Da war man sich dann schon einmal unsicher. Was sollte man glauben?

Glücklicherweise kam ich durch einen Freund in den Genuss, Bekanntschaft mit Martin Koessler und seinen Seminaren zu machen. Martin Koessler, jemand, der sein Handwerk versteht (studierter Chemiker und Physiker, soweit ich mich recht erinnere. Man möge mich verbessern, wenn nötig). Ein Mann, der es beherrscht, seinen Kunden Wein auf lustige und doch informative und vollkommen korrekte Art näher zu bringen. Die Weinhandlung nebenbei ist natürlich auch geil! ;-)

Doch statt mir damit sofort zu helfen, mich endlich zu erleuchten, verzweifelte ich dadurch anfangs erst recht!
Bei meinem ersten Seminar (es war zum Thema Riesling) traten für mich ernsthafte Probleme auf. Während mir der eine Wein total gefiel, löste er bei meinem Freund nur Spott aus. Fand ich einen anderen dafür ziemlich... naja, sagen wir einmal "bescheiden", so lobte ihn mein Sitznachbar in höchsten Tönen. Apropos Sitznachbar: Das Seminar war gut besucht, wobei der Großteil der Leute in Anzug oder eben die weibliche Abteilung in Kleid oder Hosenanzug vertreten war. Ich hingegen saß da mit meiner Lieblings-Jeans und meinem Lieblings-Sweater. Ja, ich kam mir schon ein bisschen unpassend vor!
Auch, als ich nach einiger Zeit anfing mit meinem Freund zusammen zu verkosten (alleine ist's ja doch langweilig!) entstand schnell Konfliktstimmung. "Ich junger Hupfer sollte besser wissen, wie der Wein schmeckt, als mein Freund, der sicherlich schon 10 Jahre in der Materie drin steckt?". Fragen über Fragen, Probleme über Probleme...
Ich vergaß alles selbstständiges Handeln. Ich trank Weine, die andere mochten, ich teilte Meinungen, die andere hatten. Ich bewegte mich keinesfalls selbstständig in der Welt des Weins.



Wie man sich vorstellen kann war das ziemlich langweilig!Irgendwann hat es dann bei mir Klick gemacht! Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen tragisch und überspannt, aber ich dachte mir: "Willst du das dein ganzes Leben so weiter machen?". Nein, das wollte ich definitiv nicht! Also fing ich an, abseits aller Empfehlungen Wein zu kaufen. Wein, der mir gefiel. Wein, den absolute Outsider, Wochenendtrinker, Genießer empfohlen haben. Alles tolle Tropfen, wie sich herausstellte. Weine, die mir nicht von voreingenommenen Profis empfohlen wurden, die mir viel Kopfschütteln eingebracht haben. Weine, die ich aber trotzdem überlebt habe! Ich habe mich nicht mehr beeinflussen, bestimmen, sondern wirklich nur noch beraten lassen! So sollte es sein, so habe ich mir das am Anfang auch gedacht!

Und heute stehe ich da, wo ich jetzt bin! Ich habe meinen eigenen Standpunkt, den ich vertreten kann. Ich bin in der Lage, mir Weine zu kaufen, einfach weil ich sie kenne, oder weil ich sie einschätzen kann. Und nicht, weil mir jemand diese Weine eingebläut hat!
Und so, wie ich mich in Sachen Klamotten, Musik, Filme, etc. von meinem älteren Brüdern distanzieren und meinen eigenen Stil finden konnte, so habe ich auch meinen eigenen Wein-Stil gefunden. Ich entscheide selbst, was ich wann trinke, wo ich es trinke, wann und wie!
Doch wenn ich nicht gerade ein bisschen "spinnert" bin, dann trinke ich vor allem:


Wieso? Das könnt ihr in meinem Beitrag für die Weinrallye am Donnerstag erfahren!
Und wenn sich jetzt jemand fragt: "Riesling, nur Riesling, trinkt der nichts anderes? Schon wieder so ein Rebsorten-Trinker? Das kann doch nicht sein, wann hört dieser Schwachsinn denn auf?!"
Das kann ich ganz leicht beantworten! Wenn ich nicht gerade Riesling trinke, dann nehme ich auch mal einen Pinot Noir oder einen Silvaner, eine Scheurebe. Aber auch Silvaner, Weißburgunder und Müllerthurgau kommen bei mir ins Glas. Außerdem noch Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot, Sauvignon Blanc, ja sogar Chardonnay ☺. Der Riesling ist mein Favorit, beschreibt aber nicht meinen ganzen Horizont. Ich kenne einen Grauen Burgunder, der schubst jeden Riesling aus dem Ring! Holzausbau... Wunderbar saftig, mit einer unglaublich geilen Karamellnote. Für mich persönlich das Non plus Ultra. Kostet schlappe 15 € und gibt es bei meinem Praktikumsweingut. Der Optimus Westhofener Kirchspiel Grauer Burgunder 2010 trocken (den 2011er gibt es hier). Jetzt werden viele sagen: "Jetzt ist er aber voreingenommen, das ist ja sein Praktikumsweingut...". Na und! Mag sein! Aber bis mir nichts besseres begegnet bleibt das meine Meinung!
Schließlich habe ich ja auch meinen eigenen Stil!

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Ja, ich glaube, den Weg haben einige hinter sich. Wünsche ich keinem, den Umweg kann man sich sparen! :D

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